{"id":3065,"date":"2026-04-17T14:12:27","date_gmt":"2026-04-17T14:12:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.olafboehme.art\/?p=3065"},"modified":"2026-04-17T17:54:39","modified_gmt":"2026-04-17T17:54:39","slug":"varian-fry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.olafboehme.art\/?p=3065","title":{"rendered":"Varian Fry"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Gedanke zum Tage resultiert aus dem Geburtstagsanruf meiner Schwester. Sie empfahl mir zwei B\u00fccher von Uwe Wittstock, &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Februar-33-Winter-Literatur-Paperback\/dp\/3406814972\">Februar 1933<\/a>&#8220; und &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Marseille-1940-gro%C3%9Fe-Flucht-Literatur\/dp\/3406814905\">Marseille 1940<\/a>&#8222;. Ich schrieb hier schon \u00fcber ein Buch, welches sie mir vor (aua!) 39 Jahren schenkte und mir damals einen ganzen Kosmos erschloss.<\/p>\n\n\n\n<p>Varian Frey war ein, heute sowohl in Amerika wie Frankreich nahezu v\u00f6llig in Vergessenheit geratener, amerikanischer Journalist, der in einer von Verzweiflung und Angst unter den Fl\u00fcchtlingen aus ganz Europa gepr\u00e4gten Zeit in Marseille mit dem Auftrag einer amerikanischen Hilfsorganisation eintraf, namhaften europ\u00e4ischen Intellektuellen, K\u00fcnstlern, Schriftstellern usw. die Flucht und Ausreise in den Staaten zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/wissen\/wie-varian-fry-juedische-intellektuelle-und-kuenstler-rettete-100.html\">https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/wissen\/wie-varian-fry-juedische-intellektuelle-und-kuenstler-rettete-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>WIe es sich doch \u00e4hnelt. Ein Thomas Mann kehrte gar nicht erst zur\u00fcck aus Amerika zur\u00fcck (erst 1949 betrat er wieder deutschen Boden), seinem Bruder Heinrich gelang dank Fry 1940 die abenteuerliche Flucht \u00fcber die Pyren\u00e4en und die anschlie\u00dfende Schiffspasssage von Portugal bis nach Kalifornien. Fry hatte eine Liste der zu Rettenden bei sich und sah sich kurz nach Ankunft mit Tausenden konfrontiert, deren letzter Hoffnungsschimmer er angesichts der H\u00e4scher von Vichy und Gestapo war. Viele waren zwischenzeitlich in Internierungslagern S\u00fcdfrankreichs gelandet wie Lion Feuchtwanger. Schon 1941 wurde er abgeschoben in die USA und hat bis an sein Lebensende 1967 keinerlei Anerkennung gefunden. Seine Bitten um Unterst\u00fctzung beim Versuch, eine eigene Hilfsorganisation zu gr\u00fcnden und noch mehr Menschen zu retten, fanden nicht einmal bei den zuvor geretteten Emmigranten Geh\u00f6r. Seine Motivation zog er aus einem Aufenthalt 1935 in Deutschland, als er die Ausw\u00fcchse der nationalsozialistischen Verfolgung hautnah miterlebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der amerikanischen Regierung, die nur selektiv Notvisa f\u00fcr &#8222;Prominente&#8220; ausstellte, war Fry\u00b4s Treiben auch suspekt. Ihm wurde vorgeworfen, massgeblich linke j\u00fcdische Intellektuelle zu retten. Werfel, Feuchtwanger, Chagall, .. &#8211; ohne Fry h\u00e4tte die USA sie gar nicht ins Land gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum besch\u00e4ftigen mich Dinge, die fast ein Jahrhundert zur\u00fcckliegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Mechanismen heute genauso sind. Ohne Hilfe und Verb\u00fcndete h\u00e4tte ich es auch nicht geschafft. Wenn man zweimal mit der Heuchelei, Doppelmoral und deutschen B\u00fcrokratie gek\u00e4mpft hat, wei\u00df man ungef\u00e4hr, was das mit Einem im Fall der F\u00e4lle macht. Ganze 4 Tage vor Schlie\u00dfung des Zeitfensters konnte ich aufatmen, nur weil sich B\u00fcrokraten in Berlin eine neue Visaauflage ausgedacht hatten. Wenn ich dann noch lese, dass man russischen Staatsb\u00fcrgern, die im Krieg waren, gar keine Einreise mehr erlauben will, kommt mir das kalte Gruseln. Die Sicherheitsbedenken h\u00e4tte man mal auch bei den muslimischen Massen haben sollen, die gebetsm\u00fchlenartig Respekt fordern und sich einen feuchten Kehricht um selbigen k\u00fcmmern. In Berliner \u00f6ffentlichen Einrichtungen wird der Belegschaft verk\u00fcndet, dass der Weihnachtsbaum oder Osterschmuck aus Geld- und Neutralit\u00e4tsgr\u00fcnden nicht mehr en vogue ist und gleichzeitig werden die Teppiche der Betenden mit Tagesfreizeit im Lesesaal geduldet bzw. grossz\u00fcgig \u00fcbersehen. Ist mir langsam wirklich egal, als alter wei\u00dfer Mann stigmatisiert zu werden. Ich w\u00fcnschte mir nur, dass Geschichte heutzutage noch vermittelt w\u00fcrde. Es gab wirklich alles schon mal und Jeder sollte sich die Frage stellen &#8222;Cui bono?&#8220;. Die Antworten findet man immer, so man denn will.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gedanke zum Tage resultiert aus dem Geburtstagsanruf meiner Schwester. Sie empfahl mir zwei B\u00fccher von Uwe Wittstock, &#8222;Februar 1933&#8220; und &#8222;Marseille 1940&#8222;. Ich schrieb hier schon \u00fcber ein Buch, welches sie mir vor (aua!) 39 Jahren schenkte und mir damals einen ganzen Kosmos erschloss. 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